Warum haben neue Autos öldichte Motoren und unsere
Sechszylinder-Fiats nur im Ausnahmefall? Klar, sind halt alte Autos. Aber ich
will nicht aufgeben, etwas dagegen zu tun. Gegen das austretende Öl. Wo liegen
denn da die Probleme beim 2300er?
1. Simmeringe Kurbelwelle
hinten und vorne (in dieser Reihenfolge!) 2. Anschluss
Öldruckmanometer
3. Ölwanne
4. Ventilschäfte
5. Kurbelgehäuseentlüftung
Seit Jahren bin ich es gewohnt, beim TÜV das Kreuzchen bei
„Ölundichtigkeit“ gesetzt zu bekommen. Das muss nicht so sein, wobei ich selbst
bei meinen Autos den Beweis noch schuldig geblieben bin. Aber gute Ideen werden
sich durchsetzen!
1. Simmeringe
Kurbelwelle
Bisher habe ich bei Motorüberholungen der S-Coupé Motoren
noch keinen am hinteren Motorsimmerring wirklich dicht bekommen. Und das trotz
sorgfältigsten Arbeitens. Woran liegt das? Meines Erachtens an folgenden
Dingen:
• Erstens
verbauen wir meist Simmerringe aus Altbestand. Mir sind dabei schon mehrfach
„neue“ Radialdichtringe mit defekten Dichtlippen untergekommen. Wer sowas einbaut, hat sowieso schon
verloren.
Neuer Ring mit beschädigter Dichtlippe
• Diese
Altteile dürften stark an Elastizität verloren haben.
• Vielfach
sind auch Teile im Umlauf, die nicht drehrichtungsorientiert sind, das heißt
keine zusätzlichen Rillen besitzen, die das Öl bei der Drehbewegung in die
Ölwanne zurückfördern.
Simmerring ohne Rücklaufrillen und ohne Staubschutzlippe, Abmessung 105/100x80x10, also mit "Kragen"
Hoffentlich kann man´s erkennen, alter Simmerring mit Rücklaufrillen für linksdrehende Welle (hinterer Simmerring, hier dreht die KW linksherum, von hinten betrachtet)
• Die
Original-Simmerringe hatten noch keine Staubschutzabdichtung. D.h. Schmutz
konnte relativ ungehindert zur Dichtlippe auf der Kurbelwelle eindringen und
dann war der Verschleiß dort besonders hoch.
Moderner Dichtring mit Staubschutzlippe, linksdrehend
Die ersten Motoren hatten
übrigens auch hinten an der Kurbelwelle einen Simmerring mit Kragen, in der
Abmessung (105/100x80x10). Dadurch war gewährleistet, dass der Ring beim
Einpressen in den hinteren Lagerdeckel, der keinen Anschlag für den Ring hatte,
genau richtig saß. Später war das nicht mehr erforderlich, da der Lagerdeckel
nun mit hinterem Anschlag für den Simmerring ausgeführt war. Nun war die
Abmessung also 100x80x10 linksdrehend.
Hintere Lagerdeckel im Vergleich: links die alte Ausführung ohne Tiefenanschlag für den Simmerring, der brauchte also den "Kragen", rechts die spätere Ausführung mit Tiefenanschlag.
Was kaum jemand noch weiß: die ersten Dichtringe waren
keine "Simmerringe" mit Dichtlippen, sondern eine Art Fettschnüre, wie
sie heute noch in Hauswasserpumpen eingebaut werden. Die waren rund 9 mm
breit und steckten in ähnlichen Metallgehäusen wie sie Simmerringe
besitzen.
Und
jetzt sind wir beim Knackpunkt: Klar habe ich immer die Simmerringe erneuert,
aber bei Baugleichheit liefen die Dichtlippen wieder an der selben Stelle auf
der Kurbelwelle, wo sich der alte Ring bereits 1/10 mm eingearbeitet hatte.
Vielleicht hatte man Glück und alles war halbwegs dicht, aber niemals
vollständig. Oder noch schlimmer: Die Lippe saß nun etwas weiter außen, wo
leichte Korrosion bereits die ansonsten glatte Oberfläche der Kurbelwelle
angegriffen hat.
Wenn man jetzt einen alten Simmerring nimmt -- na
klar, dann tropft´s wieder.
Abhilfe: Kurbelwelle schleifen und Ring mit angepassten
Maßen nehmen: TEUER und viel Sucherei. Habe aber über Hans-Dieter gerade einen Tipp von Christoph bekommen, dass es eine Firma gibt, die dünne Stahlringe zur Reparatur der Dichtflächen liefern kann. Ich werde mich da schlau machen. Danke Christoph!
Geht´s auch anders? Da habe ich mir was überlegt: Alte Ringe
braucht kein Mensch mehr zu nehmen! Klar gibt’s z.B. den hinteren Simmerring in
moderner Ausführung mit Staubschutzlippe bei mehreren Herstellern zu kaufen.
Das ist also das wenigste, was man tun sollte, nicht alte Lagerbestände
verwenden. Preiswerter ist´s außerdem.
Was ich aber empfehle, ist
ein moderner Dichtring mit geänderter Höhe: z.B. hinten 100x80x8,5mm, also Höhe
8,5 mm statt original 10mm. Dadurch liegt die Dichtlippe etwa 1 mm weiter innen
auf der Kurbelwelle, in einem Bereich, wo die Lauffläche auf der Kurbelwelle
noch absolut unverschlissen ist.
Ich
probiere das gerade bei einem Motor aus und bin sicher, dass über diesen
Simmerring nichts mehr nach draußen dringt, vor allem kein Öl.
2. Anschluss
Öldruckmanometer
Ganz heimtückisch ist der blödsinnige Anschluss des
mechanischen Öldruckmessers über einen 5 cm langen dünnen Schlauch. Genauer: am
Öldruckschalter befindet sich ein Anschlussstück,
das das heiße Motoröl zum Anzeigeinstrument im Innenraum
sowohl des Coupés als auch der Limo leitet. In leichteren Fällen führt das zu
ölglänzenden Lackschuhen, in schwereren zu Ölflüssen über Armaturenbrettern,
die in weißem Leder (also fast originalgetreu...) gerade frisch restauriert
wurden.
Am besten verzichtet man auf diese Anzeige, moderne Autos
haben sowas auch nicht mehr, das beunruhigt doch nur. Wer´s aber unbedingt
will, muss halt schauen, dass er diesen Anschluss dauerhaft dicht kriegt, ein
Druckschlauch in dieser winzigen Abmessung ist aber nur mit viel Glück zu
finden.
3. Ölwanne
Das Problem bei der Dichtigkeit der Ölwanne liegt in zwei
Punkten:
• unsachgemäßer
Anbau der Ölwanne bei Motorüberholung und
• verhärtete
Dichtungen
Die Abdichtung der Ölwanne besteht aus vier Dichtelementen:
zwei Gummihalbringe für die KW-Deckel vorne und hinten und zwei Gummi- oder
Korkdichthälften für die Wanne.
Die
Gummi-Halbringe sind auch aus Altbeständen gut verwendbar, immer noch
elastisch. Anders sieht es mit den Ölwannendichtungen (links und rechts
verschieden) aus. Meist sind die in den Motordichtsätzen aus einem
gummiähnlichen rötlichen Material, das sich oft als steif wie ein Brett zeigt.
Sowas sollte dann besser nicht verbaut werden. Besser ist dann Naturkork, denn
solche Dichtungen gab´s auch, und nach meiner Erfahrung altern die nicht und
sind noch genauso elastisch wie immer.
Bei
der Montage der Halbringe und der Ölwannendichtungen ist auf das korrekte
Einschieben der „Nasen“ in die Gummiringe zu achten.
Ohne Dichtmasse läuft gar nichts: Ich verwende
Silikondichtmasse schon beim Einsetzen der Halbringe in die Aludeckel (sparsam)
und vor allem in den Ecken, wo Halbringe und Ölwannendichtungen aneinanderstoßen. Diese Dichtmasse muss aber so aufgebracht
werden, dass sie beim Anziehen der Ölwanne nicht nach innen gedrückt wird,
sonst findet man sie beim nächsten Zerlegen des Motors am Sieb der Ölpumpe
wieder.... Und für die beiden
Dichtungshälften der Ölwanne verwende ich die Korkdichtung, wenn die rötlichen
Gummidichtungen keine „gefühlte“ Elastizität“ aufweisen. Da es allerdings heute
wieder neu produzierte Dichtsätze gibt, kann man auch diese Dichtungen
bedenkenlos verwenden. Beim Anziehen der
Ölwannenschrauben ist Gefühl gefragt, nicht sinnlos anknallen, eher nur leicht
und nach ein paar Wochen locker nachziehen. Nach einem halben Jahr nochmals
prüfen.
An dieser Stelle eine Anmerkung zu den verschiedenen
Ausführungen der Alu-Ölwanne der S Coupés: Es gibt zwei grundsätzliche
Bauvarianten: die alte einmal (waagerecht) geteilte und die neuere dreiteilige
(zweimal senkrecht geteilt, mit von mir so genannten „Ohren“). Und dann eine
ganze Reihe von Untervarianten, die sich z.B. durch den eingegossenen „Abarth“-Schriftzug
oder die eingebauten Innereien oder durch einen Ölrücklaufanschluss
unterscheiden.
neue Ausführung
Seltsam
übrigens, dass sich dies im Ersatzteilkatalog des S Coupé nicht nachvollziehen
lässt, dort ist auch in der 2. Ausgabe immer nur die zweiteilige Wanne
abgebildet. Allen gemeinsam ist das Problem, dass man an die beiden seitlichen
Kammern zur Reinigung von Ölschlamm nicht richtig herankommt, auch der
intensive Einsatz von Bremsenreiniger löst nicht alles aus diesen mit Klappen
verschlossenen Kammern heraus. Also zerlege ich auch die Ölwanne komplett.
Dichtungen für den Zusammenbau gibt`s aber nicht, die bastele ich mir entweder
aus Kork-Dichtungsplatten oder aus den oben erwähnten Korkdichtungen der
Ölwanne. Übrigens: Die Ölwannen und die verschiedenen Ausführungen der
Motorblöcke sowie Pleuel sind nicht beliebig miteinander kombinierbar. Wer also
eine Ölwanne mit Abarth-Schriftzug freudestrahlend auf einen anderen Motor
baut, dem kann es gehen wie mir: Beim probeweisen Durchdrehen des Motors (von
Hand!) nach dem Zusammenbau klemmte der Motor plötzlich. Also Ölwanne wieder
runter, was war? Das Pleuel des sechsten Zylinders stieß mit einer
Befestigungsschraube unten an der Ölwanne an, die offensichtlich dort nicht
stark genug gewölbt war. Hier passte die Kombination Ölwanne/Pleuel
offensichtlich nicht zueinander. Zwar sollen die Pleuel des S Coupés immer die
gleiche Ausführung haben, aber die Realität zeigt hier mindestens drei
verschiedene Ausführungen, die
offensichtlich bei Abarth verbaut wurden.
links ein erleichteres, poliertes Pleuel, 120g leichter als das 825g schwere mittlere Pleuel, das ebenfalls einem S Motor entnommen wurde und rechts das "Standard" S Coupé Pleuel mit dem 24 mm breiten Schaft und völlig unbearbeitet! (Da hat sich Abarth vielleicht gedacht, FIAT schaut sowieso nicht mehr in die Motoren rein...)
Laut den Werbebeschreibungen und
alten Testberichten sollten die Pleuel im S Coupé ja poliert sein, aber bei den
rund 10 S-Motoren, die ich auseinandergebaut habe, ist mir kein einziges
poliertes Pleuel untergekommen. Mag ja sein, dass die allerersten Autos
polierte Pleuel hatten, vielleicht finde ich ja im Motor meines Cabrios welche,
den ich nächstes Jahr mal aufmachen will. Bei späteren Motoren hat man sich
jedenfalls die Bearbeitung gespart, wohl auch weil ab Fahrgestell-Nr. 111306
die Schaftbreite der Pleuel von 21 auf 24mm erhöht wurde. Damit halten die
Dinger sicher problemlos, der Drehfreude dienten die nunmehr nochmal schwereren Trümmer sicher
nicht. Das auf den Fotos hier gezeigte erleichterte und polierte Pleuel ist
natürlich nicht original, sondern beim professionellen Tuner überarbeitet
worden. Das mittlere Pleuel im oberen BIld zeigt eigentlich ein Berlina-Pleuel, das aber im S
Coupé-Motor verbaut war. In meinem gelben Rennwagen habe ich übrigens
überarbeitete Berlina-Pleuel drin, die perfekt halten. Mit entsprechender
mechanischer Bearbeitung sind also alle Pleuel verwendbar.
4. Ventilschäfte
Für Bläuen beim Gaswegnehmen sind meist die
Guss-Ventilführungen verantwortlich, die original keine wirkliche Abdichtung
besitzen. Zwar wird ein winziger Gummiring oberhalb der Führungen auf den
Ventilschaft geschoben, aber dessen Funktion ist wohl äußerst zweifelhaft.
"Schaftabdichtung" im Vergleich: oben der originale Mini-Ring, der sich mit dem Ventil auf und ab bewegt, und unten die moderne Schaftabdichtung, die fest auf der Ventilführung sitzt, siehe nächstes Bild.
Aber
man kann die Führungen mit modernen Schaftabdichtungen versehen, am einfachsten
geht das bei ausgebauten Führungen auf der Drehbank, aber auch etwas mühsamer
im eingebauten Zustand (natürlich nur bei ausgebauten Ventilen). Ein
wesentlicher Schritt, aus unseren Motoren moderne umweltfreundliche
Alltagsaggregate zu machen. Näheres dazu
seht ihr bereits HIER.
5. Kurbelgehäuseentlüftung
Ein Quell steter Geruchsfreude im Innenraum ist die
Kurbelgehäuseentlüftung. Bei den ersten Modellen war lediglich ein
Zwischenstück am Öleinfüllstutzen zum Anschluss eines Gummischlauches, der nach
unten ins Freie blies, vorhanden. Etwas
später (ab Fgst.nr. 70823) verwendete man zusätzlich ein Metallrohr zur
besseren Führung des Abgasweges, aber die Funktion war identisch. Da der
Motorraum nicht wirklich vollständig zum Innenraum dicht ist, hat man häufig
einen leichten Ölgeruch im Innenraum, besonders wenn ein Seitenfenster geöffnet
wird. Der zeigt sich um so stärker, je verschlissener die Kolbenringe sind und
damit je höher der Überdruck im Kurbelgehäuse wird.
Dies ist die alte Ausführung, an dem verlängerten Einfüllstutzen wird ein Gummischlauch nach unten angeschlossen.
Dies merkte man wohl auch bei FIAT und versah die
Motorblöcke auf der linken Seite im hinteren Bereich mit einer zusätzlichen
Öffnung oberhalb der Ventilstößel. Auch hier verwirren die Ersatzteilkataloge.
und hier die neuere Ausführung mit Anschluss am Motorblock
Während die erste Ausgabe der 2300 Berlina die Blöcke ohne
dies Öffnung zeigt, ist in der 1. Ausgabe des S Coupé-Katalogs bereits der
Block mit dieser Öffnung, aber durch einen Deckel verschlossen, abgebildet. Ich
selbst besitze aber originale Motorblöcke vom S Coupé („B006“), die wie bei der
Berlina keine Öffnung oder Deckel haben. Man hat da wohl ziemlich wahllos in
Teileregal gegriffen. Ok, also diese zweite Ausführung entlüftete nun nicht
mehr von oben vom Ventildeckel aus, sondern direkt vom Kurbelgehäuse über ein
Anschlussstück, in dem der Ölnebel „kondensiert“ wurde und in die Alu-Ölwanne
über eine Schlauch zurücklaufen sollte. Entlüftet wurde weiterhin durch einen
dort angeschlossenen Schlauch ins Freie.
Alte Ölwanne, waagerecht geteilt
Neue Ausführung, dreiteilig, mit Ölrücklaufanschluss
Dann
änderte man dies in der dritten Variante derart, dass dieser
Entlüftungsschlauch nun in das Luftfiltergehäuse (hinter den Filter) geleitet
wurde, damit der Ölnebel wieder dem Verbrennungsprozess zugeführt wird. (Wie
exzessiv dies geschehen kann, erzählt die Geschichte HIER).
Alle älteren
Varianten sollten so umgestaltet werden, dass der Schlauch der
Kurbelgehäuse-Abluft direkt in den Luftfilter geführt wird, in der einfachsten
Variante einfach den Schlauch in die Ansaugöffnung des Luftfilters einschieben, besser den Filterkasten umbauen wie im Technik-Tipp 2 beschrieben, oder einen Luftfilter neuerer Bauart mit unterem Anschluss für den Schlauch wie auf dem Foto in meinem Cabrio nehmen.
Der Schlauch vom Ventildeckel führt bei meinem Cabrio zur Unterseite des Luftfiltergehäuses. Ich habe das alte originale durch eines der letzten Serie mit Schlauchanschluss ersetzt.